Zuerst die Menge, dann der Inhalt
Der zweite Teil des Fragebogens fängt mit einer schlichten Zahl an: Wie viele Stunden freie Zeit haben Sie an einem gewöhnlichen Tag? Danach erst kommt, wofür.
Diese Reihenfolge ist Absicht. Über kulturelle Teilhabe wird meistens so gesprochen, als sei sie eine Frage des Interesses. Sehr oft ist sie zuerst eine Frage der Zeit — und zwar nicht der Zeit im Kalender, sondern der Zeit, über die jemand frei verfügen kann. Wer abends ein Kind ins Bett bringt oder in Schicht arbeitet, hat abends andere freie Stunden als jemand ohne beides.
Warum das für die Auswertung zählt
Weil es die häufigste Fehldeutung verhindert. Wenn eine Gruppe seltener ins Konzert geht, liest sich das schnell als Desinteresse. Steht daneben, dass dieselbe Gruppe im Schnitt zwei Stunden weniger frei verfügbare Zeit hat und häufiger feste Verpflichtungen trägt, sieht der Befund anders aus — und die Folgerung auch.
Nach dem Ehrenamt wird aus einem verwandten Grund gefragt. Es ist Freizeit, die vergeben ist, und es ist zugleich eine Form von Teilhabe, die in Kulturstatistiken regelmäßig unter den Tisch fällt. Wer den Chor probt, den Verein führt oder das Stadtteilfest organisiert, ist im Kulturleben aktiver als mancher Abonnent — nur zählt ihn keine Besucherstatistik.
Was daraus nicht folgt
Es gibt keine richtige Antwort. „Fernsehen“ ist als Antwort auf die Frage nach der liebsten Freizeitbeschäftigung genauso gültig wie „Oper“ und wird in der Auswertung genauso ernst genommen. Der Fragebogen enthält keine Appelle, keine Veranstaltungshinweise und keine Angebote.
Nicht hinzugehen ist keine Lücke. Wer Freizeit- und Kulturangebote nicht nutzt, hat in dieser Untersuchung kein Defizit, das zu beheben wäre, sondern Gründe — und die zu verstehen ist der eigentliche Zweck der Erhebung.
Aus den Ergebnissen wird kein Programm. Sie beschreiben, was Menschen tun und was ihnen fehlt. Sie sind keine Vorgabe für Spielpläne; die Freiheit der Kunst nach Art. 5 Abs. 3 GG bleibt unberührt.
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Die beiden anderen Teile stehen unter Leben in Düsseldorf und Kultur. Wie lange der Fragebogen dauert und wie er ausgefüllt wird, steht unter Tipps.